1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Eine Veranstaltungsreihe in Herne im bundesweiten Jubiläumsjahr 2021

Schirmherr: Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda

Eine Kooperation von Stadtarchiv, Emschertal-Museum, Stadtbibliothek, Eine Welt Zentrum & vhs in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen

Die Anfänge der ersten jüdischen Gemeinde in Deutschland reichen zurück bis in das Köln des Jahres 321. Vor 1700 Jahren! In Herne möchten wir dieses besondere Jahr gerne würdigen - wie viele Volkshochschulen bundesweit. Mit einer Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft von Herrn Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Und gemeinsam mit verschiedenen Partnern vor Ort und mit ganz unterschiedlichen Themen und Veranstaltungen, die so vielfältig sind wie alles, was jüdische Kultur, Geschichte, Leben und Glaube ausmacht. In seiner Eigenständigkeit, aber auch als selbstverständlicher Beitrag und prägenden Einfluss auf Kunst, Kultur, Politik und Gesellschaft in Deutschland. In Geschichte und Gegenwart. Damals wie heute.     

"Erinnerungskultur" - "jüdische Kultur" und "Judentum heute" werden die Themen der Reihe sein. Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, mehr und mehr voneinander zu erfahren. Es gibt so viel Gemeinsames!

Und schließlich macht die Reihe sensibel für die Gefährdungen durch Antisemitismus und Rechtsextremismus dieser Tage...

1. Halbjahr 2021
08. Februar bis 02. Juli 2021

Infos/Anmeldung in den vhs-Geschäftsstellen
02323 / 16 - 29 20 oder 16 - 35 84

 

Spuren, Tatorte, Erinnerungen...

Ein Stadtrundgang zur Geschichte der Juden in Herne

Die lokalgeschichtliche Arbeit des Historikers Ralf Piorr "stellt uns das Vergangene quasi noch einmal vor die Haustür", urteilte unlängst der Journalist Kai Wiedermann. Beim Stadtspaziergang zur jüdischen Geschichte in Herne wird dieser Aspekt ganz konkret: Es gab im Kaiserreich und in der Weimarer Republik eine selbstbewusste jüdische Gemeinde im Zentrum der Stadt. Und es gibt die Orte dieser Geschichte: der Platz der ehemaligen jüdischen Synagoge, die "arisierten" Häuser und Geschäfte in der Bahnhofstraße und die Ausgangsorte der Deportationen in die Vernichtungslager des Ostens. Der Stadtrundgang wird ca. zwei Stunden dauern.

2011    Montag, 22.02., 16.00 - 18.00 Uhr, entgeltfrei

            Treffpunkt: Robert-Brauner-Platz 

            Ralf Piorr

Rundgang über den jüdischen Friedhof am Hoverskamp in Herne-Baukau

Mit Stadtarchivar Jürgen Hagen

Die Geschichte der emanzipierten jüdischen Gemeinde in Herne lässt sich an diesem besonderen Erinnerungsort  -  von der Industrialisierung bis zur Nachkriegszeit - nachvollziehen. Die Grabinschriften machen sichtbar, wie sehr die Herner Juden mit der Gesellschaft, in der sie lebten, verschmolzen waren. Sie waren selbstverständlicher Teil von ihr. Selbst die ältesten erhaltenen Grabsteine sind zweisprachig deutsch und hebräisch beschriftet. Neben der Geschichte über das Leben der jüdischen Mitbürger*innen in Herne wird von der jüdischen Bestattungskultur die Rede sein. Auch wird erläutert, wie Worte jiddischer Herkunft Einzug in die deutsche Sprache gehalten haben.

Männliche Teilnehmer tragen bitte eine Kopfbedeckung.

2012    Mittwoch, 24.02., 16.00 - 17.30 Uhr, entgeltfrei

            Treffpunkt: Bahnhofstraße/Ecke Hoverskamp

            Jürgen Hagen

Antisemitismus und Judenfeindlichkeit in Europa vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Online-Vortrag mit Diskussion

Die Geschichte des Antisemitismus begann weit vor Hitler. Im Mittelalter verfolgte man Juden als "Christusmörder". Im 19. Jh. definierten Denker wie Fichte die deutsche Nation in Abgrenzung zum Judentum. Um 1900 bekam der Rassismus biologische Züge. Die Literaten des 20. Jahrhunderts lancierten Klischees, die den Holocaust vorbereiteten. In der DDR und der BRD setzten sich trotz Auschwitz (!) und danach antijüdische Ressentiments fort. Im Berlin des 21. Jahrhunderts können Kinder jüdische Schulen nur unter Polizeischutz besuchen! Ein Gang durch die deutsch-europäische Geschichte skizziert die Kontinuität der antisemitischen Klischees. Gründe für die Entstehung und Empfänglichkeit des Menschen für rassistische Phantasien werden vorgestellt und aufgedeckt.

Die Anmeldung zum Online-Vortrag erfolgt bei der vhs Herne unter Angabe Ihrer E-Mail-Adresse. Die Zugangsinformation mit direktem Link in die vhs.cloud erhalten Sie ein paar Tage vor Veranstaltungsbeginn zugesandt.

2013    Donnerstag, 04.03., 19.00 - 21.00 Uhr

           entgeltfrei

           Online

           Dr. Torsten Reters

Das Judentum: Eine Einführung in Glauben und Glaubenspraxis

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen

Der gläubige Jude lebt in dem Bewusstsein, dass der Mensch als Ebenbild Gottes erschaffen wurde und die Aufgabe erhalten hat, Partner Gottes in der Schöpfung und ihr Bewahrer zu sein. Hierfür ist es notwendig, sich und die eigene Lebensweise zu heiligen und Gerechtigkeit und Frieden zu bewirken. Gottes Wort zu erforschen ist Voraussetzung, um Seinen Willen erfüllen zu können und so das Leben zu bewahren. Der Vortrag geht darauf ein, wie diese Motive in der Glaubenspraxis umgesetzt werden.

2016A  Mittwoch, 17.03., 18.30 - 20.00 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Michael Rosenkranz

Das Judentum: Feste und Feiertrage

Vortrag in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen

Der jüdische Festtagskalender besteht aus acht Feiertagen, die mit der Thora gegeben wurden und die das landwirtschaftliche Jahr, das Leben des einzelnen Menschen und den Entwicklungsweg des Volkes Israel wiedergeben. Dazu kommen mehrere nachbiblische Feste, die durch die Geschichte ihre Bedeutung erlangt haben.

Was es also mit den jüdischen Festen und Feiertagen auf sich hat, wo ihre Wurzeln liegen und nicht zuletzt auch wie sie bis heute gefeiert und gewürdigt werden, ist Inhalt des vielschichtigen Vortrags. Wer seine Kenntnisse zum jüdischen Glauben vertiefen möchte, kann das auch "vor Ort" tun. Am Donnerstag, dem 25. März 2021 (Kursnr. 2017) bieten wir eine Exkursion zur Synagoge in Bochum an. Auch hier wird Dr. Michael Rosenkranz sich Zeit für uns nehmen und die Führung leiten.

Ohne vorherige Anmeldung in den Geschäftsstellen der vhs Herne (Tel.: 02323/16 3584 oder 16 2920) ist eine Teilnahme an der Führung nicht möglich.

2016B Mittwoch, 24.03., 18.30 -  20.00 Uhr, entgeltfrei

             vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

             Dr. Michael Rosenkranz

Exkursion: Zur Synagoge in Bochum

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen

Für die heutige, neue Synagoge wurde Ende 2005 der Grundstein gelegt. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde sie im Dezember 2017 feierlich eröffnet - ein bedeutendes Ereignis für die Gemeinde, aber auch für die Städte Bochum, Herne und Hattingen. Während der Führung wird auf die architektonischen Besonderheiten der Synagoge und ihre tiefe Symbolik eingegangen. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Innenraum, der eigentlichen Synagoge, mit dem Thoraschrein und den Thorarollen. Hier ist das Zentrum des jüdischen Glaubens. Die jüdische Gemeinde Bochum - Herne - Hattingen zählt heute über 1.000 Mitglieder und ist somit die zweitgrößte Gemeinde in Westfalen. Das lebendige Gemeindeleben reicht von religiösen Veranstaltungen und Feierlichkeiten über den Religionsunterricht und bei Bedarf die soziale Begleitung von Gemeindemitgliedern bis hin zu Weiterbildungsangeboten und Veranstaltungen, die, über die Gemeinde hinaus, für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger offen sind.

Bitte beachten Sie auch die Vortragsveranstaltungen am 17. März 2021 (Kursnr. 2016A) und 24. März 2021 (Kursnr. 2016B) im Vorfeld der Exkursion zur Einführung in Glauben und Glaubenspraxis des Judentums bzw. zu Festen und Feiertagen. Sie sind eine gute Vorbereitung auf die Exkursion.   
Eine vorherige Anmeldung zum Besuch in der Synagoge in den Geschäftsstellen der vhs (Tel.: 02323/16 3584 oder 16 2920) ist unbedingt erforderlich!

Für die Fahrt nach Bochum und zurück nutzen wir den ÖPNV (U35). Im Entgelt von 7.- EUR sind die Kosten für Fahrt/Führung bereits enthalten.

Die Führung in der Synagoge umfasst zwei Zeitstunden. Bitte beachten Sie die aktuellen Corona-Schutzvorgaben: 1,5 m Abstand zu anderen Teilnehmenden, Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung, Handhygiene und Husten- Niesetikette.  

2017    Donnerstag, 25.03., 16.00 - 18.00 Uhr

            Entgelt: 7,- EUR

            Treffpunkt: 15.00 Uhr, U-Bahn-Station Kreuzkirche/Archäologisches Museum (überirdisch), Richtung Bochum

            Dr. Michael Rosenkranz, Heike Bandholz

Wie kam Hitler in die Köpfe der Deutschen?

Vortrag zur Psychologie des Faschismus nach Freud, Kracauer, Reich und Fromm

Die jüdischen Autoren Freud, Fromm, Reich und Kracauer erklären uns die damalige Empfänglichkeit vieler Deutscher für den Nationalsozialismus. Siegfried Kracauer zeigt in seinem Buch "Von Caligari zu Hitler" (1948), dass die auf der Leinwand gezeigten Befindlichkeiten populärer Spielfilme der Weimarer Republik (von "Metropolis" bis "Morgenrot") nationalsozialistischen Mustern entsprachen. Sigmund Freud beleuchtet in "Massenpsychologie und Ich-Analyse" (1922) die Rolle des Führers in Bezug auf die von ihm  Geführten. Wilhelm Reich entdeckt 1942 die "Massenpsychologie des Faschismus", während Erich Fromm die "Anatomie menschlicher Destruktivität" (1973) am Beispiel von Hitler und Himmler analysiert.

2014    Donnerstag, 15.04., 19.00 - 21.00 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Torsten Reters

Al Andalus: Christliches, jüdisches und islamisches Leben im maurischen Spanien

Vortrag

Im frühen Mittelalter eroberten die Mauren weite Teile der iberischen Halbinsel; die hochentwickelte orientalische Zivilisation breitete sich rasch aus. Córdoba wurde zu einem Kalifat und avancierte zur Weltmetropole. Die Wirtschaft florierte und zog zahlreiche Migranten an. Es lebten christliche, jüdische und muslimische Menschen aus Europa, Asien und Afrika in Al Andalus - eine multikulturelle Gesellschaft par excellence. Ist es ein Beispiel für Europa im 21. Jahrhundert?

2018    Montag, 03.05., 18.30 - 20.00 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Stefan Roggenbuck

Sophie Scholl und die Weiße Rose

Bebilderter Vortrag

Vor 100 Jahren wurde Sophie Scholl geboren, die zusammen mit ihrem Bruder Hans und weiteren Gegnern des NS-Regimes die Widerstandsgruppe Weiße Rose bildete. Obwohl die vor allem aus Studenten bestehende Weiße Rose vor ihrer Zerschlagung weniger als ein Jahr bestand, war ihre Signalwirkung doch von großer Bedeutung. Zwar gelang es nicht, einen breiten Widerstand zum Sturz der NS-Diktatur zu mobilisieren, aber die Gruppe steht bis heute dafür, dass nicht alle Deutschen die NS-Herrschaft akzeptierten. Auch beweist sie, dass man - entgegen der oft gesagten Behauptung "nichts gewusst zu haben" - durchaus die Möglichkeit hatte, sich über die Verbrechen des Regimes zu informieren.

2015    Donnerstag, 06.05., 18.00 - 19.30 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Malte Pattberg

Der Malerpoet Marc Chagall

Bebilderter Vortrag

Marc Chagall (1887-1985), dessen jüdischer Geburtsname "Moishe Segal" lautete, war ein sehr fantasievoller Künstler, seine farbenreichen Bilder erscheinen märchenhaft, ungewöhnlich, überirdisch. Chagall stammte aus Weißrussland aus einer einfachen jüdischen Familie, er verbrachte aber die größte Zeit seines Lebens in Frankreich. Die Inhalte seines Werkes, für das Chagall die heimatliche russische Volkskunst detailreich mit Elementen der Avantgardekunst mischte, waren stets auch mit seinem Leben eng verknüpft. Chagall malte in seinem ganz eigenen Stil nostalgische Kindheitserinnerungen, heitere Szenen und verträumte Liebespaare, ebenso biblische Darstellungen. Wie kaum ein anderer Künstler thematisierte er seine jüdische Herkunft und die alten Traditionen. Darüber hinaus widmete er sich auch der christlichen Symbolik.

2019    Dienstag, 18.05., 19.00 - 20.30 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Birgit Poppe

Verfemt und vergessen. Jüdische Malerinnen aus Deutschland

Bebilderter Vortrag

Viele deutsche Künstlerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts noch sehr angesehen und erfolgreich waren, sind heute längst vergessen. Die nationalsozialistische Diktatur setzte nicht nur der künstlerischen Karriere dieser talentierten Frauen ein Ende, sondern sie wurden meist verfolgt, vertrieben oder sogar umgebracht. Bis dahin lebten sie in Großstädten wie Berlin oder engagierten sich in ländlichen Malerkolonien - manchmal sogar beides, wie die Berlinerinnen Clara Arnheim und Julie Wolfthorn, Mitbegründerinnen des "Hiddenseer Künstlerinnenbundes". Beide Malerinnen starben wie andere auch nach ihrer Deportation im KZ Theresienstadt. Einige Künstlerinnen hingegen verließen Deutschland, so die Porträtistin Lotte Laserstein, die 1937 nach Schweden auswanderte. So widmet sich dieser Vortrag dem Schicksal dieser Malerinnen und stellt ihr Schaffen vor, um ihren wichtigen Platz in der Kunstgeschichte zu unterstreichen.

2020    Donnerstag, 27.05., 19.00 - 20.30 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Birgit Poppe

"... und trotzdem Ja zum Leben!"

Wie Viktor Frankl das Leid überwand und die "Logotherapie" entdeckte

Der jüdische Psychotherapeut Viktor Frankl überlebte die deutschen Konzentrationslager nur mit viel Glück. Er nutzte seine erschütternden Erlebnisse im Lager, um die psychische Befindlichkeit der Lagerinsassen zu beschreiben. Daraus wurde 1945 ff. ein Bestseller: Sein Buch  ".. und trotzdem Ja zum Leben" liest sich, wie ein therapeutischer Bericht, der ihn in der Folge zum Begründer der Logotherapie macht. Ziel dieses therapeutischen Ansatzes ist es, Menschen in Krisensituationen dabei zu helfen, psychisches Leiden bewältigen zu können. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Person Viktor Frankl und seiner Lebensleistung für die Psychologie.

2021    Donnerstag, 10.06., 19.00 - 21.00 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Dr. Torsten Reters

Max Liebermann "Ich will doch nur malen"

Bebilderter Vortrag

Max Liebermann, Künstler, Vorstand der Berliner Secession, Akademiepräsident, angesehener Porträtist der Berliner Bourgeoisie - Preuße und Jude. Auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn war Liebermann hoch geachtet. Am Ende seines Lebens wird er von den Nationalsozialisten zur "Unperson" erklärt, verleumdet und geschmäht.

Seine frühere künstlerische Tätigkeit ist von einem stark realistischen und dunklen Naturalismus bestimmt. Später wendet  er sich unter Einfluss der französischen Impressionisten einer hellen, lichten Farbigkeit zu, jedoch mit einer ihm eigenen persönlichen Note. Sein Verdienst ist es, den Impressionismus in Deutschland etabliert zu haben (Berliner Impressionismus).

2022    Donnerstag, 17.06., 19.00 - 20.30 Uhr, entgeltfrei

            vhs im Kulturzentrum, Willi-Pohlmann-Platz 1

            Angelika Herrmann