Weiterbildungsberatung bei der vhs Herne - konkret

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Um welche Inhalte kann es gehen? Teil 2

Start frei für die berufliche Karriere – nach der Anerkennung eines Schulabschlusses aus dem Ausland

„Andere Länder, andere Bildungssysteme“: dieses leicht abgewandelte Motto gilt bereits für die Anerkennung von (Schul-)Abschlüssen von Bundesland zu Bundesland innerhalb Deutschlands. Weil Bildung durch die föderale Struktur in Deutschland „Ländersache“ ist, entscheidet jedes Bundesland selbst, ob ein Abschluss „von außen“ anerkannt wird, und wie das vonstatten geht. Umso mehr gilt das für Schulabschlüsse aus dem Ausland. Auch junge Zugewanderte müssen ihre Schulabschlüsse aus dem Ausland in NRW anerkennen lassen. Erst nach einem (im besten Fall erfolgreichen) „Andocken im System“ können weitere Entscheidungen zur beruflichen Zukunft getroffen werden, z. B. für eine Ausbildung oder Studium. Denn wenn jemand eine Ausbildung beginnen möchte oder eine berufliche Umschulung anstrebt, ist der Nachweis eines anerkannten Schulabschlusses Voraussetzung.

Was ist nun so anders an „auswärtigen“ Schulabschlüssen? Einige Beispiele:
•    Manchmal entscheiden Details: In einem Drittstaat wurde die zweite Fremdsprache in den Abschlussklassen nicht lange genug unterrichtet. Daher konnte kein „NRW-Abitur“ anerkannt werden.
•    In einigen Ländern ist es möglich, das Abitur mehrmals zu absolvieren, um die Abschlussnote zu verbessern. Ein „Nicht-Bestehen“ in der uns bekannten Form gibt es nicht. Dann wird der beste Abschluss zugrunde gelegt.
•    Viele Zugewanderte haben im Herkunftsland – manchmal auch in anderen Ländern - ein Studium begonnen oder bereits abgeschlossen, bevor sie nach Deutschland kamen. Belegbare Studienzeiten oder ein belegbarer Studienabschluss können sogar ggf. den Schulabschluss aufwerten, d. h. z. B. vom „Realschulabschluss zum Abitur“. Entscheidend ist die Kombination des Notendurchschnitts im „Abitur“ und die Dauer der Studienzeiten. Mindestkriterien für Beides müssen erfüllt sein. – Ein nicht-akade-mischer Berufsabschluss kann übrigens einen Schulabschluss nicht aufwerten.

Nun kommen die sog. „Zuständigen Stellen“, - das sind in NRW zwei Bezirksregierungen - ins Spiel: Unterschieden wird zwischen:
1. der Anerkennung bis zum mittleren Schulabschluss und
2. der Anerkennung der allgemeinen oder der fachgebundenen Hochschulreife („Abitur“) für berufliche Zwecke – d. h. zum Zweck der Aufnahme einer Berufstätigkeit, einer Ausbildung bzw. Umschulung oder eines (dualen) Studiums. Achtung: Wenn die Hochschulreife anerkannt werden soll mit dem Ziel, in Deutschland ein Studium aufzunehmen, ist nicht die Bezirksregierung, sondern die jeweilige Hochschule zuständig! Welche zuständige Stelle jeweils infrage kommt, entscheidet die Weiterbildungsberaterin auf der Grundlage von Faktenwissen und den vorgelegten Unterlagen, aus denen wiederum die Dauer des Schulbesuchs, der Fächerkanon, der Notendurchschnitt u. a. ersichtlich ist. Wichtig ist, dass Original-Unterlagen vom Sekundarschulabschluss vorliegen, denn: ohne Dokumente keine Anerkennung - oder nur unter größerem Aufwand. Auch Kopien oder Scans reichen für eine Anerkennung nicht aus.

Welche Hürden müssen die Betroffenen in diesem Prozess bewältigen?
•    Der bürokratische Ablauf und das Erbringen der erforderlicher Angaben und Dokumente sind für Zugewanderte nicht immer einfach. Die Beschaffung von fehlenden Unterlagen aus dem Herkunftsland ist z. T. sehr teuer, langwierig und in Kriegsgebieten schwerlich möglich.
•    Anträge mit unvollständigen Angaben/Unterlagen werden i. d. R. nicht bearbeitet, Rückmeldungen der zuständigen Stellen an die Betroffenen darüber von diesen oft nicht verstanden. Verzögerungen entstehen.
•    Die Dauer des Anerkennungsprozesses kann durchaus ½ Jahr betragen. Sie lässt sich auch nicht beschleunigen. Dies kann mit den weiteren Plänen der Zugewan-derten kollidieren: Viele Ausbildungen beginnen im August oder September eines Jahres. Die Betroffenen können nicht absehen/zusagen, ob ihr Berufsabschluss bis dahin anerkannt wurde. Unsicherheiten müssen ausgehalten werden und ggf. Alternativen mit neuer Motivation gefunden werden. Manchmal kann eine Ausbildung oder Arbeitsaufnahme auch über den Aufenthaltsstatus entscheiden.
Letztlich kann nicht vorhergesehen werden, ob eine Anerkennung oder eine Ablehnung erteilt wird. Im negativen Fall kann ein Schulabschluss ggf. nachgeholt werden. Wessen „Abitur“ nicht anerkannt wurde, wer aber dennoch studieren möchte, kann ein Studienkolleg besuchen, das ein Jahr lang auf ein Studium vorbereitet. Dieses endet mit einer Feststellungsprüfung.
Erforderlich ist bei Zugewanderten außerdem eine gute sprachliche Verständigung. Erst ab dem Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen kann i.d.R. ein Schulabschluss erfolgreich nachgeholt werden oder eine Ausbildung begonnen werden. Wer studieren möchte und/oder einen Beruf wählt, in dem die korrekte Verwendung der deutschen Sprache sehr wichtig ist, benötigt sogar ein Zertifikat auf dem Niveau C1. Wer Lehrer*in werden möchte, muss ein Zertifikat auf dem Niveau C2 nachweisen.
Die Anerkennung von Schulabschlüssen aus dem Ausland ist also eine wichtige Schnittstelle. Zusammen mit den erforderlichen Sprachkenntnissen schafft sie den Zugang zu Ausbildung, Studium und Beruf.
Erst dann trifft ‚die Formel‘ „Start frei für die berufliche Karriere“ für die Betreffenden zu.

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